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Katholische Kirche Sankt Martin

Sankt Martins Kirche Gamburg

Sankt Martins Kirche Gamburg

Die heutige Pfarrkirche zum Heiligen Martin wurde von 1895 bis 1898 im neugotischen Stil erbaut und ersetzte damit die kleinere, seit spätestens 1404 belegte Dorfkirche westlich davon (heute markiert ein Steinkreuz am alten Rathausplatz die ehemalige Stelle des Hochaltars). Bis nach dem 2. Weltkrieg trug die Pfarrkirche noch schöne Dachgauben auf der Kirchturmspitze. Der Gamburger Bildhauer Thomas Buscher (1860 bis 1937) hat die Kirche in seiner Erstlingsarbeit mit dem Hochaltar, den beiden Seitenaltären, der Kommunionbank, der Kanzel, zwei Beichtstühlen und diversen Figuren ausgestattet.

Beim Abriss der alten Kirche wurde eine Madonna gefunden, die von großer Bedeutung für unsere Kirche ist und als ein Werk Tilman Riemenschneiders bzw. seiner Werkstatt gelten darf. Diese Madonna integrierte Buscher in den Marienaltar mit sechs Engeln aus seiner Werkstatt und ergänzte die Seitenflügel mit biblischen Darstellungen in überwältigender Schönheit.

Besonders sehenswert ist auch der Josefsaltar mit der Darstellung des Todes Josefs mit Maria und Jesus.

Der Hochaltar ist streng gegliedert. Er zeigt die Statuen verschiedener Heiliger in dafür geschaffenen Nischen, umsäumt von gotischem Schnitzwerk.

Die letzte Kirchenrenovierung fand 1996 statt. Der Chorraum wurde mit den ursprünglichen, üppigen Wanddekorationen reich bemalt.

Weiterführende Literatur zur Gamburger Riemenschneider-Madonna:  Erik Soder von Güldenstubbe u. a., Tilman Riemenschneider – Gesichter der Spätgotik und sein Erbe im Taubertal, Gerchsheim 2004.

Brunnen

Hokemo-Brunnen (Hakenmann-Brunnen)

Der österlich geschmückte Dorfbrunnen an der Schulstraße/Brückenstraße.

Der Entwurf des dreieckigen Dorfbrunnens stammt von Professor Clemens Buscher (1908) aus der bekannten Bildhauer-Familie Buscher aus Gamburg. Ausgeführt wurde er vom Steinmetz Meckel.

Er stellt den sagenhaften Hakenmann (Hokemo) dar, der die Kinder an die Tauber lockt und sie mit Haken hineinzieht, weil sie der Großmutter nicht folgten.

Bis heute ist der Hokemo eine vor allem im Fasching allgegenwärtige Sagenfigur. Beim Umzug und bei den bunten Abenden lautet das Motto „Hokemo zieh `nei!“

In der Gestalt der „Hullefra“ (der Frau Holle)  soll Clemens Buscher seine Mutter Dorothea dargestellt haben.

Für Ostern und Weihnachten wird der Dorfbrunnen jedes Jahr festlich geschmückt.

Sonnenbrünnle

Sonnenbrünnle

Sonnenbrünnle am Hohlweg oberhalb der Kirche.

Ebenfalls 1906 von Professor Clemens Buscher entworfen und 1908 in seiner Werkstatt fertiggestellt. Er wurde errichtet, um die Wasserversorgung an der Burghalde sicherzustellen.

Unteres Schloß

Unteres Schloss

Unteres Schloss

Unterhalb der Burg steht das „Untere Schloß“, erbaut 1522 von Dr. Johann Küchenmeister und 1751 erneuert. Außer dem Haupthaus befinden sich dort u. a. die ehemalige Zehntscheuer, ein kleineres Scheuergebäude, ein alter Gefängnisturm, das sog. Alte Haus, ein Wasch- und Backhaus sowie ein Garten, der ursprünglich auch das Gelände des heutigen Dorfgemeinschaftshauses umfasste.

Der mit Johanns Tochter Margaretha Küchenmeister verheiratete Eberhard Rüdt von Collenberg, seit 1546 der neue Besitzer der Burg und Herrschaft Gamburg, erwarb 1557 noch den Anteil am Unteren Schloss, der seinen Schwägern Konrad von Frohe und Konrad von Bicken gehörte. Damit brachte er das ganze Untere Schloss in seinen Besitz. Die nach seinem Tod (1567) erfolgte Erbteilung der Herrschaft zwischen dem Unteren und dem Oberen Schloss (Burg) wurde 1573 erstmals konkret fixiert. Unter anderem wurde damals auch der herrschaftliche Kammerforst zweigeteilt, eine Aufteilung, die bis heute unter veränderten Vorzeichen weiterexistiert. Ein früherer Spottvers lautete:

O Gammeri, o Lammeri,

du große Armedei, (oder: du arme Benedei),

was tust du mit zwei Schlössern

und einer Kellerei?

1686 verkaufte Franz Freiherr von Sickingen das Schloss an die Juliusstiftung der Universität und des Spitals in Würzburg, damit auch 1/4 der Obrigkeitsrechte hielt. 1877 kaufte es der damalige Chefarzt des Juliusspitals und spätere Leiter der Berliner Charité, der Geheimrat Prof. Carl Gerhardt, dessen Nachkommen es noch heute besitzen.

Weiterführende Literatur: Michael Maaß, Das Untere Schloss in Gamburg an der Tauber, Karlsruhe 1997

Tauberbrücke

Die Tauberbrücke

Die Tauberbrücke

Bis zum 15. Jahrhundert wurde eine Furt, eine flache Stelle, in der damals natürlich noch nicht gestauten Tauber als Übergang benutzt. Danach gab es eine Holzbrücke und ab etwa 1720 wurde die Brücke aus Stein gebaut. Sehr häufig fiel die Brücke Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Eisgang zum Opfer und mußte repariert werden. Ab 1634 wird sogar immer wieder ein Eisbalken zum Zerteilen der Eisschollen erwähnt. An der Brücke war auch auch eines der fünf Dorftore, nämlich das 1627 errichtete Neue Tor. Das ältere sog. Brückentor lag etwas versetzt am eigentlichen Ortsrand.

1730 stiftete der von Gamburg nach Wien übersiedelte Bernhard Kaltwasser die Statue des erst 1721 selig- und 1729 heiliggesprochenen Johannes Nepomuk, offenbar sogar als Ersatz für eine ältere Statue. 1971 wurde diese Statue wiederum durch eine Kopie ersetzt und das Original ins Tauberfränkischen Museum nach Tauberbischofsheim gebracht. In diesem Jahr ersetzte man auch zur Verbesserung des Abflusses zwei kleine Gewölbebögen am Dorfufer durch einen einzigen und reduzierte damit die Anzahl der Bögen von fünf auf vier.

Die lateinische Inschrift im Sockel lautet:

AMORE ERGA

PATRIAM ET IN

HONOREM SAN

CTI JOANNIS NEPO

MUCENI HANC

STATUAM ERIGE

RE CURAVIT

JOANNES BERNA

RDUS KALTWASSER

ANNO DOMINI 1730

Übersetzt:

Aus Liebe zum Vaterland und zu Ehren des heiligen Johannes Nepomuk hat diese Statue errichten lassen Johann Bernhard Kaltwasser im Jahre des Herrn 1730.

Unter der Brücke haust der Hokemo, der unartige Kinder zu sich hinunterzieht und einmal eine neugierige Magd morgens vor der Frühglocke in seinen Bann zog.

Mühlen

Eulschirbenmühle

Eulschirbenmühle

Eulschirbenmühle

Aus dem Jahre 1245 ist eine Urkunde erhalten geblieben, in der die zwischen Gamburg und Bronnbach an der Tauber gelegene Eulschirbenmühle erstmals erwähnt wird. Damals verzichtete der Gamburger Burgmann Horant zugunsten des Mainzer Erzbischofs auf das Fischwasser unterhalb der Mühle. Der Name kommt vom Weiler Ulscirben, heute Eulschirben, dessen Name sich wiederum von althdt. ula = Topf und scirbi = Scherben ableitet.

1328 verpflichten sich die Herren von Rosenberg zu Abgaben von ihrer Mühle in Eulschirben an das Kloster Bronnbach. 1397 soll die Mühle dem Kloster von Konrad d. Ä. von Uissigheim geschenkt worden sein. 1458 erhält Ulrich von Rosenberg Einkünfte aus der Mühle als Burglehen des Grafen Philipp von Rieneck. 1572 verkauft Abt Johann von Bronnbach dem Besitzer der Gamburg, Junker Eberhard Brendel von Homburg, die Gefälle (= Einkünfte) auf der Eulschirbenmühle. Dementsprechend verschreibt der Müller Franz Heilig (Heilck) 1574 dem Junker Eberhard die jährliche Gült (= Abgabe) und den Fischertrag der Mühle. 1592 verkauft der Müller Hans Halk (Heilck, Heileken) die Mühle selbst an die Vettern Hartmut den Älteren (XIV.) und den Mittleren (XV.) von Kronberg, welche beide mit einer Brendel von Homburg verheiratet waren und somit 1590 die Gamburg geerbt hatten.

Die nun erweiterten gemeinsamen Besitzungen wurden 1592 aufgeteilt und die Eulschirbenmühle Hartmut dem Mittleren zugesprochen. Beide Vettern bauten die Mühle und die Burg nun zu jeweils eigenen Residenzen im Stil der Renaissance um. Das Kronberg-Brendel’sche Wappen findet sich daher bis heute sowohl über dem Eingang der Mühle, wie auch über dem des Palas der Gamburg. Laut Sage erbaute der Herr der Gamburg die Eulschirbenmühle sogar aus Liebe für die schöne Melusine. So wurde die alte Mühle zu einem wunderbaren Schlösschen, welches aber bereits 1595 vom Hochwasser der Tauber heimgesucht wurde. An einer Ecke wurden die verschiedenen Wasserstände im Laufe der Jahrhunderte eingezeichnet – der höchste in fast 4 Metern Höhe von 1732!

Architektonisch einzigartig für Tauber- und Unterfranken ist die strenge Symmetrie der Zwerchhäuser und Erker mit Welscher Haube, die sich sozusagen an der zentralen Achse des Treppenturms spiegeln. Zeittypisch sind dagegen die mit Gesimsen unterteilten Schweifgiebel mit Ornamenten, was in ähnlicher Form ebenfalls am Palas der Gamburg zu beobachten ist.

Im Innern der Mühle befindet sich noch die ehemalige Mahlstube. Lange noch gab es Müller in Eulschirben. Eine Inschrift von 1565 bezeugt den Bau der Stallungen. 1921 kam das Anwesen an die Gemeinde Külsheim. Eine elektrische Kraftanlage wurde gebaut und die Tauber reguliert. 1967 verkaufte Külsheim alles an den heutigen Betreiber Anton Linner aus Engelsberg. Die Wasserzuleitung erfolgt heute unterirdisch zum modernen Kraftwerkhaus. 2007 wurde die Turbine des Wasserkraftwerks ersetzt. 2015 kam es in der Scheune von Eulschirben zu einem Brand.

20.10.2010 : Zeitungsartikel über die Eulschirbenmühle

Dorfmühle

Die Dorfmühle an der Tauber

Die Dorfmühle, oder „Obremühl“ genannt, wurde 1248 zum ersten Mal im Einkünfteverzeichnis des Mainzer Erzbischofs erwähnt. 1546 tauschte der Müller Endres Hertweck, der über ein gewisses Vermögen verfügte, die Hälfte der Dorfmühle mit dem neuen Besitzer der Gamburger Herrschaft, Eberhard Rüdt von Collenberg, für eine jährliche Menge Korngült. Die Mühle war später dann ganz im gemeinsamen Besitz der Oberen und Unteren Herrschaft. Verständlich ist daher die Klage des Müllers Hans Hummel, vermerkt im Jahre 1658, „keen Mensch könne zwee Herren dienen.“ Den Müllern wurde die Mühle dabei immer nur auf einige Jahre verpachtet.

Große Probleme bereiteten ihnen die immer wiederkehrenden Hochwässer der Tauber und des Maisenbaches verbunden mit erheblichen Beschädigungen an den Mühlrädern und dem Abschlag. Diese Schäden brachten für die Müller große finanzielle Belastungen. Zudem fiel die Mühle für eine gewisse Zeit aus, sodass die Leute bei anderen Mühlen ihr Korn zu Mehl mahlen lassen mussten. Immer wieder wurde auch über den dortigen Fischfang von Aal und „Speyer“ (Gründlinge/Weißfische) berichtet.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Müllerfamilie Ruhland die Mühle schließlich in Erbbestand verliehen. Danach ging sie durch Einheirat an die Familie Eckert und dann an die Familie Lang über. Im Jahre 1954 wurde ein zusätzliches Mühlengebäude mit modernen Mahlmaschinen errichtet. Durch Aufgabe der kleinbäuerlichen Betriebe in den 1950 und 60er Jahren, entfiel nach und nach für viele mittlere und kleinere Mühlen die Existenzgrundlage. Im Jahr 1970 entschloss man sich schweren Herzens die Mühle stillzulegen und den Mahlbetrieb einzustellen. Gleichzeitig wurde aber die bestehende Turbinenanlage aus dem Jahre 1911 durch eine moderne und leistungsfähige Anlage ersetzt, um den dann erzeugten Strom ins bestehende Stromnetz einzuspeisen.

Der damalige Besitzer der Dorfmühle, Müllermeister Alois Lang, war von 1955 bis 1972 Bürgermeister der damals noch selbständigen Gemeinde Gamburg und nach der Gemeindereform Ortsvorsteher bis 1980. Seit 1988 ist Hartmut Lang Eigentümer und Betreiber des Wasserkraftwerkes. Dieser war von 1989 bis 2009 Ortsvorsteher von Gamburg sowie 30 Jahre Gemeinderat der Gemeinde Werbach und ist heute Vorsitzender des Heimat- und Faschingsvereins.

Bimssteinfabrik

Die Bimssteinfabrik im Maisenbachtal mit der alten Post und der Dorfmühle im Vordergrund

Ursprünglich eine Ölmühle mit der auch eine Sägemühle verbunden war. 1897 baute Hermann Volk in der Ölmühle einen Brennofen zur Herstellung von Bimssteinen ein und wandelte sie zur Sandmühle um. Ein großes Brennhaus mit schließlich drei Öfen und großen Trockenräumen sowie ein Wohnhaus mit der Verwaltung wurden neu gebaut. Der Pferdestall mit Scheune und Schuppen wurde verbessert (Die Pferde wurden erst 1950 abgeschafft). Eine Turbine ersetzte das alte Wasserrad. Der für die Bimssteinproduktion benötigte weiße Quarzsand wurde waggonweise aus dem Jagsttal und das Kaolin aus der Oberpfalz geliefert. Die „Gamburger Mäuschen“ genannten Bimssteine wurden weltberühmt, insbesondere als Hygieneartikel gegen Hornhaut oder schmutzige Hände. In der Blütezeit wurde Reklame in zehn Sprachen gemacht. Aber auch Großbimssteine zum Schleifen und Polieren für die metalverarbeitende Industrie, Radiersteine für das grafische Gewerbe oder Bimssteinmehl als Putz- und Scheuermittel sowie als Rohstoff für Schlämmkreideprodukte wurden hergestellt. 2002 musste die Fabrik, deren Geschäftsleitung in Heilbronn lag, leider schließen.

Türmle

Türmle

Das hübsche kleine Türmle am Hohlweg

Ein typischer Wartturm, wohl aus dem 15. Jahrhundert, der einst zum sog. Krappentor (= Rabentor) am Hohlweg gehörte. Der untere Wegabschnitt wurde auch „kleine Hohle“ genannt. Das als „Gammenburc“ erstmals in einer undatierten Urkunde des Mainzer Erzbischofs Adalbert (1111-1137) erwähnte Dorf war mit Schanzgräben und Hagzäunen befestigt und hatte insgesamt fünf Tore: Mühltor, Brückentor, Neues Tor, Tor zum Flor (zur Flur, am Unteren Schloss) und Krappentor. Letzteres stellte die an dieser Stelle gemauerte Verbindung zu den Befestigungen der Burg her. Ab 1890 gehörte der ursprünglich zinnenbekrönte Turm dem Gamburger Bildhauer Clemens Buscher (+1916), der ihn mit einem hölzernen Aufbau versah. Am Fuß ein ursprünglich an der alten Dorfkirche befindliches Epitaph der Anna („Petronia“) von Ehrenberg (+1422), Gemahlin von Peter d. Ä. von Stettenberg (+1428), dessen prächtiges Ritterepitaph sich wiederum im Hauptschiff der Bronnbacher Klosterkirche befindet.

Altes Forsthaus

Jagdschloß - Kopie

Das „Alte Forsthaus“ unweit der Burg

Das „Alte Forsthaus“ ist eigentlich gar nicht so alt. 1923 ließ Graf Rudolf von Ingelheim die alte Scheune vor der Burg zu einem Chauffeurhaus mit Stallungen, Garagen und Treppentürmchen ausbauen. 1936 erwarben es die Grafen von Westerholt zusammen mit der Burg und dem dazugehörigen Teil des Kammerforstes und nutzen es bis heute als Forsthaus. Über der Tür des Treppenhauses ist das Ingelheim-Echter’sche Wappen des Grafen Rudolf zusammen mit dem seiner Frau Leopoldine Schenk von Stauffenberg zu sehen.

Stettenberger Freihof

Amtshof

Hoftor mit Amtskellerei

In der Thomas-Buscher-Straße (früher Judengasse) findet man den alten Freihof der Herren von Stettenberg mit Amtskellerei. Erst 1669 kam dieser als letzter freiadeliger Hof in Gamburg in den Besitz der Oberen Herrschaft, also der Burg. Bereits 1557 erwarb Eberhard Rüdt von Collenberg den ehemals gegenüberliegenden Seyfart’schen Freihof von einem Herren von Zehender, der später zum Hof- und Meyerhaus des Unteren Schlosses wurde.  Heute betritt man durch den schönen gotischen Torbogen auch das Gamburger Buscher Museum, welches sich im rechts davon anschließenden Gebäude befindet. Dort war vorher der Gamburger Kindergarten untergebracht. Laut Inschrift mit Ingelheim-Echter’schen Wappen (über dem Gemeindewappen) wurde es im Jahre 1785 (um)gebaut.

Kapellen

14-Heiligen-Kapelle

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14-Heiligen-Kapelle

Diese kleine Kapelle ist im Jahre 1823 von Michael und Elisabetha Hauck, „gebohrene Riesin“ (Ries), gestiftet worden und stand 100 Jahre lang unten im Tal an der alten Landstraße. Beim Neubau der Steige wurde die Kapelle an den heutigen Standort verlegt, neben den Wanderweg zur Bauernwaldhütte und nach Bronnbach. Über diesen Kamm, und nicht durch das Tal, führte viele Jahrhunderte lang der Weg nach Wertheim. Ermöglicht wurde die Umsetzung der Kapelle auch durch Spenden der nach Amerika ausgewanderten Gamburger.

Ingelheim’sche Maria-Hilf-Kapelle

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Die Waldkapelle im Kammerforst

Die Kapelle im vorderen Kammerforst, auch „Waldkapelle“ genannt, ist 1834 halbkreisförmig erbaut und mit acht Steinsäulen, nach römischem Vorbild, umstellt.

Die Rückseite verläuft gerade mit einer kleinen Apsis für die Nische, in der die Muttergottes Platz findet.

Maria Antonia Gräfin von Ingelheim genannt Echterin von und zu Mespelbrunn, geborene Gräfin von Westphalen zu Fürstenberg, legte in Rom ein Gelübde zur Erbauung einer Kapelle ab, sofern Ihre Tochter Isabella Felicitas von einem lebensbedrohlichen Nervenfieber genesen werde.

Durch die Gnade der heiligen Muttergottes erfüllte sich Ihr Wunsch. Bis 1909 wurden dort besonders im Marienmonat Mai Messen abgehalten.

Unweit der Kapelle Richtung Waldrand befindet sich am Weg der „Gaul“. Dieses Denkmal in Form einer abgebrochenen Stele erinnert an einen Unglücksfall der Gräfin am 12. August 1823 und wurde vom Bildhauer Matthias Buscher geschaffen. Sie stürtzte an dieser Stelle vom Pferd und blieb verletzt liegen, während das Pferd alleine zur Burg zurückkehrte und damit Hilfe herbeieilen ließ. Entsprechend ist im unteren Teil ein stürzendes Pferd dargestellt.

Josefskapelle

Josefskapelle

Josefskapelle

Im idyllisch gelegenen Maisenbachtal, zwischen Eiersheim und Gamburg, erbaute Josef Freund in Folge eines Vermächtnisses des Verstorbenen Gottfried Freund die Kapelle im Jahre 1891. Das waren die damaligen Besitzer der Maisenbacher Mühle an der Gemarkung zu Uissigheim.

Am Weihnachtsabend im Jahre 1921 wurde die Mühle überfallen und die Besitzer teilweise schwer verletzt. Nach einem verheerenden Feuer im Jahre 1938 brannte sie vollständig nieder und wurde auch nicht mehr aufgebaut.

1985 wurde die Kapelle in Gemeinschaftsarbeit mit einigen Gymnasiasten unter der Leitung von Pfarrer Ghiraldin, dem damaligen Bürgermeister Schäfer, Karl Eckert und Fritz Otzdorff trockengelegt und renoviert. Kurze Zeit später wurden die Figuren Josef, Maria und Wendelin aus der Kapelle gestohlen.

Bildstöcke

Dreifaltigkeitsbild mit Maria und Josef, am Hohlweg an der Ecke zum Weg in die Weinberge. Geschaffen vom Meister Johannes Lutz (1710 -1789) aus Gamburg, von dem u.a. auch ein Bildstock am Ortsrand von Weikerstetten stammt. Der ältere Rahmen zeigt die Inschrift AMST 1733.

Rings um Gamburg und auch in der weiteren Umgebung findet man etliche Bildstöcke, oft mit religiösen Motiven. Viele stammen von den bekannten Bildhauern der Familie Buscher aus Gamburg. Drei der wichtigsten Bildstöcke in Gamburg sind:

Der Bildstock mit dem Walldürner Blutwunder, geschaffen vom Maurer Misselbeck im Jahre 1847, unweit der Dorfmühle. Gamburg liegt am alten Pilgerweg von Fulda zum mittelalterlichen Wallfahrtsort Walldürn im Odenwald. Bis heute machen die „Fuller“ genannten Pilger aus Fulda jedes Jahr am zweiten Dienstag nach Pfingsten in Gamburg Station. Weitere Informationen zur Wallfahrt Fulda-Walldürn

Der Bildstock von 1493 (z.T. fälschlich auch „Ecce Homo“ genannt) mit der Darstellung des Auferstandenen, unweit des Gästehauses Martin. Angeblich der älteste datierte Bildstock im Taubertal. Er war laut Inschrift lange im Kellereigarten verborgen bis er 1742 unterhalb seines jetzigen Standortes, den er erst 1983 fand, transportiert wurde. Dort war von 1830 bis 1852 der Friedhof.

Das Dreifaltigkeitsbild von 1735 mit der Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit mit Maria und Josef sowie seitlich dem Hl. Sebastian und der stillenden Muttergottes. Es befindet sich wenige Meter vom Standort des ehemaligen Mühltores entfernt. Das Mühltor war eines der fünf Tore der aus Schanzgräben und Hagzäunen bestehenden Dorfbefestigung. Es wurde erst 1915 als letztes Dorftor abgerissen und vor dem Abriss sogar noch fotografiert.

An einigen Bildstöcken ist auch die Darstellung eines Kruzifixes zu sehen. So etwa im Bauernwald ein Bildstock von 1619 mit den Berufswappen der vier inschriftlich aufgeführten Stifter Hanns Roth (gekreuzte Doppelhaken = Glaser?), Clais Göller (Doppelweck = Bäcker), Merten Müller (Müllershammer = Müller) und Baslen Alwert (Pflugschar = Hofbauer). Die Behauptung des daneben aufgestellten Schildes, der Bildstock sei angeblich aus Dankbarkeit für die Beendigung der Fronarbeit aufgestellt worden, ist nicht belegt und auch unwahrscheinlich, das diese erst im Zuge der Bauernbefreiung des 18. und 19. Jahrhunderts abgeschafft wurde. Bis dahin wurden Frondienste von der Oberen oder der Unteren Herrschaft verlangt, aber auch von der Gemeinde selbst. Am Mühlbergwald, an der Staße nach Eiersheim-Uissigheim, steht ebenfalls ein Kruzifix auf einem älteren Bildstocksockel, der einen stürzenden Mann darstellt, den 1767 verschiedenen Wilhelm Rösner. Der ursprüngliche Uissigheimer Bildstock stand bis  1966 an der Straße Eiersheim-Gamburg. Im Mühlberg befindet sich außerdem noch ein weiterer Bildstock mit Kruzifix aus dem Jahre 1607.

Madonnen

Madonna

Vesperbild von 1728 in der Uissigheimer Straße.

An vielen Häusern in Gamburg sieht man noch schöne Madonnen-Darstellungen, zum Beispiel in der Schulstraße, am Kettenbronnen, in der Thomas-Buscher-Straße, in der Uissigheimer Straße oder bei der 14-Heiligen-Kapelle.

Die vermeintliche Maria an der Dorfmühle entpuppt sich dagegen bei näherem Hinsehen als Heilige Katharina. Das Relief am Haus gegenüber zeigt gar einen Heiligen Wolfgang.

Gedenkkreuze

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Steinkreuz im Bauernwald

In alten Zeiten musste ein Mörder oft ein Sühnekreuz am Tatort errichten. Konnte der Mörder fliehen erstellten die Verwandten dort ein Gedenkkreuz, damit für den Toten gebetet werde. Zwei solche Kreuze finden sich am Spielplatzweg, an den wohl nach ihnen benannten Kreuzwiesen, direkt beim ehemaligen Wallgraben. Das eine ist aus dem Jahre 1571. Ein weiteres Kreuz aus dem Jahre 1598 steht am alten Steigweg der Lindhelle. Angeblich in Gedenken an einen Burschen, der in Folge einer größeren Rangelei um ein Mädchen auf dem Rückweg von einer Kirchweih dort gestorben sein soll. An die übrigen 14 Toten soll das berühmte Steinkreuznest bei Reicholzheim erinnern, das größte seiner Art in Deutschland. Auf dem Weg zum Friedhof sieht man neben einer alten Pferdetränke ebenfalls ein altes Kreuz, allerdings ohne Inschrift. Laut Sage soll hier ein Schäfer vom Blitz erschlagen worden sein. Auch im Bauernwald, am sogenannten „Panoramawanderweg“ nach Bronnbach, befindet sich ein Kreuz. Das rätselhafte Zeichen darauf wurde als Mühlstein gedeutet, also als Berufszeichen des Toten. Es ist aber zumindest fraglich, ob dieser Stein überhaupt als Sühne- oder Gedenkkreuz gedacht war. Das neben diesem „Findling“ aufgestellte Schild vermutet im Wald gar eine Steinbildhauerwerkstatt.

Weitere Informationen zu den Gamburger Gedenkkreuzen

Weg- und Grenzsteine

Wegsteine

„Dieser Weg ist bei 1 fl. (Gulden) 30 verboten“ Wegstein am Dreschplatz vor der Tauberbrücke

In und um Gamburg findet man noch einige interessante Steine am Wegesrand, die früher als Verkehrsschilder, Warntafeln und Grenzmarken dienten. Zum Beispiel oben beim alten Forsthaus an der Burg, auf dem Weg vom Kammerforst bzw. der Rotflur, den Stein mit dem Gebot:

„Hier muß der Radschuh ingehengt werden bei Strafe von 1 G (Gulden) 30 K (Kreuzer)“

Der bergab fahrende Fuhrmann musste also bei seinem Pferde- oder Ochsen-Fuhrwerk den Bremsschuh unter ein Rad hängen, um den Wagen zu bremsen. Das manchmal praktizierte Blockieren des schmalen, eisenbeschlagenen Rades ohne Radschuh, “Rausperren” genannt, beschädigte die Straße. Daher gibt ein Stein im Bauernwald die Warnung:

„Das Rangsperren an den baiden Staigen ist von 1 bis 3 fl (Gulden) verboten“.

Der Stein bezieht sich auf einen den heutigen Wanderweg zur Bauernwaldhütte abkürzenden, stark überwucherten Hohlweg. Westlich davon befinden sich im Wald die Befestigungsreste des „Hahnenbürgleins“.

Von den vielen eher kleineren Grenzsteinen in den Gamburger Wäldern, welche meist mit den Initialen oder Wappen der Eigentümer der Oberen (Burg) oder Unteren (Unteres Schloss) Herrschaft versehen sind, sind jene besonders bemerkenswert, die im Bauernwald auch heute noch die Grenze zwischen Gamburg und dem Wertheimer Stadtgebiet markieren. Die durchgehend nummerierten Steine befinden sich entlang des Grenzwegs zwischen Feuersteig und Pulversloch und kennzeichnen seit spätestens 1454 die alten Grenzen zwischen Gamburger (GB) und Höhefelder (HF) bzw. Bronnbacher (CB) Gemarkung, wie auch auf alten Karten noch zu sehen. Etwa auf der Höhe des Grenzsteins Nr. 30 finden sich südlich des Wegs auch zwei alte Grabhügel.

Bauernwaldhütte

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Bauernwaldhütte mit Grillplatz

Die Bauernwaldhütte liegt romantisch über dem Hahnenberglegraben am Panoramawanderweg nach Bronnbach und wird vom Heimat- und Faschingsverein gepflegt. Sie dient in erster Linie als Rast- und Schutzhütte für Wanderer, doch kann sie auch zusammen mit dem anliegenden Grillplatz gemietet werden. Anfragen sind zu richten an den Ortsvorsteher Roland Johannes unter 09348/225 oder den Vereinsvorsitzenden Hartmut Lang unter 09348/447. Es wird in jedem Fall gebeten den Platz sauber zu halten und nicht für wildes Feiern zu missbrauchen. Bei Waldbrandgefahr ist die Nutzung des Grills verboten.

Uriges und Uraltes

Einer der großen Grabhügel im Kammerforst

Auf Gamburger Gemarkung sind auch einige wildromantische und durchaus beeindruckende Naturdenkmäler zu sehen. So etwa der fast schon wie ein Felsenmeer anmutende Feuersteig im Bauernwald mit bemerkenswerten Steinformationen und verstreuten Findlingen.

Oder eine stark überwucherte Steinhalde mit großen Felsbrocken am anderen Ende des Grenzwegs, nämlich mitten auf der Wiese im Pulversloch (= Bilvers-lohe = Der Wald des Bilfried; vgl. “Pülfringen”).

Etwas weiter östlich davon befindet sich ein tiefer, etwas unheimlich wirkender Steinbruch im Wald. Ein weiterer ehemaliger Steinbruch befindet sich oberhalb der Natursteinwerke Hofmann.

Oberhalb des Panoramawanderwegs durch den Mühlbergwald findet man außerdem den „Tempel“ genannten kleinen Steinbruch mit Felsengruben und Plattform.

Außerdem liegen im sogenannten „Dreibuckelschlag“ des Kammerforsts knapp ein Duzend alte Grabhügel, davon zwei große, einige mittlere und viele kaum mehr erkennbare. Die beiden Grabhügel im Bauernwald unterhalb des Grenzwegs zwischen Feuersteig und Pulversloch wurden ja bereits oben erwähnt.

Ebenso die die Befestigungsreste des „Hahnenbürgleins“.

Naturfreunde werden außerdem an der wilden Schlucht des Maisenbachs (von meiz, mas = Waldschlag), welcher bei der Dorfmühle in die Tauber mündet und beim Uissigheimer Rinderberg entspringt, ihre Freude haben.

Naturschutzgebiet Apfelberg

Das Naturschutzgebiet Apfelberg Foto: Bernd Flicker, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Der Apfelberg südlich von Gamburg ist das älteste Naturschutzgebiet in Tauberfranken (seit 1941), umfasst 22,5 Hektar und liegt 379 Meter über dem Meeresspiegel. Der Name, früher „Eybelsberg“, leitet sich nicht vom Apfel, sondern entweder vom Personennamen Apilo oder der Eibe ab.

Gamburg liegt in einem geologischen Grenzgebiet. Richtung Böttigheim stoßen drei naturräumliche Haupteinheitengruppen aufeinander: Die Neckar- und Tauber-Gäuplatten, die Mainfränkischen Platten und das Gebiet Odenwald-Spessart-Südröhn. Gamburg gehört innerhalb der Haupteinheit Sandstein-Spessart zu letzterer, doch befindet sich der Apfelberg bereits jenseits der Grenze zum südlichen Muschelkalk. Da das Taubertal im Regenschatten des Spessarts und des Odenwaldes liegt, gehört es zu den trockensten, sonnenscheinreichsten und wärmsten Regionen Baden-Württembergs.

Die besondere Vegetation des Apfelbergs entstand aber vor allem durch menschliche Nutzung. Mit dem Rückgang des Weinbaus Ende des 19. Jahrhunderts nahmen Ackerland, Wald und Ödungen zu. Heute bieten Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Trockenwald und -gebüsch  einer artenreichen, Wärme und Trockenheit liebenden Flora und Fauna Lebensraum. Um diesen zu erhalten wird die Fläche regelmäßig beweidet und gerodet.

Am Waldrand findet sich heute eine interessante Saumpflanzengesellschaft. Eine Eigenheit ist hier die Badische Eberesche. Zu den wertvollsten Pflanzengesellschaften des Apfelbergs zählt zudem die Blaugrashalde am Westhang. Eine große Besonderheit ist auch der Lothringer Lein, der hier seinen einzigen Wuchsort in Baden-Württemberg hat. Im Ackerland findet man außerdem einige recht seltene und gefährdete Wildkräuter

Zur großen Vielfalt des Naturschutzgebietes zählen auch über 90 Schmetterlings- und 19 teils sehr seltene Heuschreckenarten. Auch die Zauneidechse ist in großer Zahl vertreten und dient der Schlingnatter als Hauptnahrung. Der Langfühler-Schmetterlingshaft fühlt sich hier ebenfalls wohl, eine charakteristische Art der Trockenhänge im Tauberland.

Das bedeutende Magerrasen-Schutzgebiet ist somit ein wichtiger Bestandteil im Biotopverbund trocken-warmer Hänge entlang von Main und Tauber. Ein ehemaliger Steinbruch und einzelne Obstbäume ergänzen die Biotopvielfalt.

Besucher werden gebeten, die Wanderwege im Naturschutzgebiet nicht zu verlassen und außerdem nicht zu reiten, zelten, lagern oder Feuer zu machen.

Weitere Informationen zum Naturschutzgebiet Apfelberg

Hinweis

Die Gamburger Sehenswürdigkeiten lassen sich über mehrere schöne Wanderrouten besuchen!

Text: Goswin v. Mallinckrodt und Peter Stehmann

Weiterführende Literatur: Franz Gehrig, Gamburg – Eine Perle im lieblichen Taubertal, Tauberbischofsheim 1998. Erhältlich u. a. beim Heimat- und Faschingsverein.