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Burg und Burgpark Gamburg

Die malerisch über der Tauber thronende Gamburg wurde Mitte des 12. Jhs., wohl an Stelle einer Vorgängerbefestigung, als Grenzfestung des Mainzer Erzstifts zum Hochstift Würzburg erbaut und ist damit heute eine der ältesten Burgen im weiten Umkreis. 1157 wurde sie Lehen und Residenz der aufstrebenden Edelfreien von Gamburg. In den 1180er Jahren ließ Beringer der Jüngere von Gamburg dort einen hoch repäsentativen, reinen Saalbau errichten, wie er im deutschen Hochmittelalter nur sehr selten vorkam.

Sein in Europa kulturhistorisch einzigartiger Hauptsaal (der „Rittersaal“) trägt die ältesten weltlichen Wandmalereien nördlich der Alpen (vor 1219). Sie wurden 1986 von Hans-Georg v. Mallinckrodt jun. entdeckt. Die bis zu fast 4 Meter hohen und künstlerisch innovativen Malereibefunde zeigen Szenen des Kreuzzugs Friedrich Barbarossas mit einer frühen Darstellung des Stauferkaisers, der ersten Abbildung eines mittelalterlichen Rosspanzers und sogar einer der ältesten Inschriften deutscher Sprache. Sie gelten als memoriale Erlebniserzählung des Kreuzritters Beringer und als einzig erhaltene Original-Ausmalung eines Rittersaales überhaupt.

Direkt an die Malereien schließen die vorher ebenfalls unbekannten Befunde der ungewöhnlich weiten und prächtigen Doppelarkaden des romanischen Saals an. Diese sind sogar noch mit Resten von Marmorierungen versehen und mit einem frühen Baumeisteratlanten geschmückt. Sie weisen außerdem äußerst seltene Kapitellformen einer Knotensäule und eines „Grünen Löwen“ auf. Der Saal selbst verfügte ursprünglich sogar über eine Fußbodenheizung. Heute ziert ihn zudem ein barocker Wandteppich von Boudewijn van Beveren. Seit 2001 ist die Gamburg als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ („Nationaldenkmal“) gelistet.

Der eventuell von einem Kirchenbaumeister in Kleinquadermauerung errichtete Bergfried, der älteste Teil der Burg, trägt noch Reste des originalen Pietra-Rasa-Verputzes. Er hatte zeitweise eine ungewöhnliche Funktion als Wasserreservoir für den barocken Burgpark. Noch im 2. Weltkrieg wurde er bunkeratig mit Splitterschutzkonstruktionen ausgebaut, u.a. als Geheimspeicher für Akten über die als „Rote Kapelle“ bekannten kommunistischen Widerstandsgruppen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Burgen wurde die Gamburg zwar, wie z. B. in der Renaissance, einige Male umgebaut, doch wurde sie nie zerstört. 1423/24 wurde sie sogar mit einer bastionsbewehrten Zwingeranlage mit massivem Rundturm und einem frühen Doppelturm-Burgtor mit Halsgraben ausgerüstet. Im Bauernkrieg blieb sie dank des Einschreitens Götz von Berlichingens als eine der wenigen Burgen erhalten. Im Zusammenhang mit seiner Entführung des Mainzer Gesandten Dr. Johann Küchenmeister von Gamburg fiel auch das berühmte „Götz-Zitat“. Spätestens ab Anfang des 17. Jhs. war die sog. „Reichsherrschaft Gamburg“ bis 1806 de facto reichsunmittelbar, gehörte aber auch keinem Ritterkanton an.

Im Hinteren Bau, ursprünglich der zweite große Turm (13. Jh.) der Burg, wurde 1922 die heutige Burgkapelle geweiht. Hier befindet sich, gegenüber dem barocken Altar, ein großes Gipsrelief des Gamburger Bildhauers Clemens Buscher aus dem Jahre 1895. Es handelt sich dabei um die identische Version eines Bronzereliefs, welches Teil seines im Krieg eingeschmolzenen Reiterstandbilds Kaiser Wilhelms I. vor dem Opernplatz in Frankfurt am Main war. Das „Wappenzimmer“ der Burg, welches heute auch als standesamtliches Trauzimmer dient, wurde 1922 vom Aschaffenburger Künstler Adalbert Hock  ausgemalt.

Der in den 20er Jahren rekonstruierte und in den 60ern nochmals vollständig verwilderte Barockpark wurde nach alten Vorlagen mit Statuen und botanischen Raritäten der Zeit als Heckengarten wiederbelebt.  Er wurde spätestens im 17. Jh. von den Freiherren von Dalberg auf einer künstlichen Terrasse direkt vor den Burgmauern und schroffen Sandsteinfelsen angelegt. Ein Barockgarten dieser Größe als Teil einer mittelalterlichen Burganlage, und somit als „Burgpark“, ist heute in Deutschland so gut wie einzigartig. Seine West-Ost-Ausrichtung nördlich der Burg zeugt zudem von einem stimmungsvollen Lichtkonzept. Von seiner einstigen Erweiterung als Deutscher Landschaftsgarten den heute verwaldeten Burgberg hinunter ist u. a. ein romantisch gelegener Obelisk aus dem Jahre 1800 erhalten.

Der Park profitiert vom besonders milden Klima des lieblichen Taubertals und den Ausläufern des nahen Naturschutzgebiets Apfelberg. Ebenso der idyllische Burghof, der in der Saison mit Palmen, Lavendelsträuchern, Zitronen-, Feigen- und Olivenbäumen sowie weiteren exotischen Pflanzen versehen ist, welche ihm ein besonders mediterranes Flair verleihen. Zwischen den Pflanzen und Gemäuern sind Statuen von Putten, Tieren, Dämonen und eine direkt vom bekannten barocken Kupferstecher Jacques Callot inspirierte kleine Zwergengalerie zu sehen. Allein im Burghof finden sich Wappen von insgesamt 12 verschiedenen Familien.

Geologisch markiert die Burg in Tauberfranken den Übergang des Muschelkalks zum Buntsandstein und ist somit das geologische Tor zum Spessart.

Mit der Gamburg ist eine eigene Erzählung zu über 21 verschiedenen Geistern und weiteren Spukerscheinungen sowie die Melusinensage der Gamburger Eulschirbenmühle verbunden.

Die Gamburg befindet sich seit 1546 in adeligem Privatbesitz und wird bis heute dauerhaft bewohnt. Seit den letzten Jahrzehnten gelingt es durch engagierte Maßnahmen der Familie von Mallinckrodt zur Restaurierung, Erforschung und Beseelung der voher stark heruntergekommenen und nur wenig beachteten Burg und des Burgparks, die natürliche Identität der Gamburg wieder freizulegen und in lebendiger Kontinuität zu erneuern. Sie ist daher weder Museum, noch Freizeitpark, noch enthöhlte Kulisse, sondern zeichnet sich besonders durch ihre persönliche Atmosphäre und ihren individuellen Stil aus. Heute wird dieses einzigartige Kulturdenkmal ohne staatliche Hilfe weiter erhalten. Seit 2009 wird es zudem nicht mehr nur nach Voranmeldung, sondern zu festen Öffnungszeiten konsequent touristisch geöffnet.  Ohne dabei seinen privaten Charakter verloren zu haben.

Nähere Informationen zur Gamburg erhalten Sie auf
www.burg-gamburg.de!